Dienstag | 10. März 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Almut Höfert, Oldenburg
Gott und seine Weltreiche: Kaisertum und Kalifat als Erben der Spätantike
Zusammen mit dem Fk der Antike, der Histor. Gesellschaft und der Brem. Kirchengeschichte

Prof. Dr. Almut Höfert ist seit 2017 Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Oldenburg. Sie studierte Geschichte und Islamwissenschaften in Bonn, Freiburg und Kairo und wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert. Während ihrer Assistenz in Basel war sie 2005/6 Gastwissenschaftlerin an der American University in Kairo und 2006/7 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Von 2011 bis 2017 hatte sie eine Förderungsprofessur des Schweizer Nationalfonds für transkulturelle Geschichte des arabischen und lateinischen Mittelalters am Historischen Seminar inne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte von Religion und Herrschaft, Verflechtungen und gegenseitige Wahrnehmungen zwischen Europa und dem Nahen Osten, Geschlechtergeschichte sowie Methoden der transkulturellen Geschichte und der Globalgeschichte.

In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung neue Perspektiven auf die Spätantike (3.–6./7. Jhd. n. Chr.) entworfen. Die Spätantike wird nun nicht mehr als Zeit des Niedergangs des römischen Reiches betrachtet, sondern erscheint als eine Epoche kreativen Wandels – vor allem im Hinblick auf die Religion. Die Entwicklung vom antiken Polytheismus zum Monotheismus war dabei eng mit dem römischen Weltreich verknüpft, dessen christliche Kaiser seit Konstantin dem Großen Gottes Herrschaft auf Erden ausübten. Sowohl im Islam als auch im Frankenreich wurden diese Formen imperialer Legitimation aufgegriffen und weiterentwickelt. Almut Höfert wird zeigen, dass sowohl Karl der Große als auch die islamischen Kalifen das Erbe der Spätantike antraten.


Dienstag | 17. März 2020| 19:00 Uhr
Dr. phil. Jens-Christian Wagner, Celle
Geschichte statt Erinnerung. Plädoyer für eine historisch fundierte und politisch wache Gedenkstättenarbeit
Zusammen mit der Universität Bremen

Dr. phil. Jens-Christian Wagner ist Historiker und seit 2014 Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Zuvor leitete er von 2001 bis 2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Wagner hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Nationalsozialismus und zur Erinnerungskultur nach 1945 verfasst und Ausstellungen zu diesen Themen kuratiert. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten zum Thema NS-Zwangsarbeit und berät international Gedenkstätten und Museen. Wagner vertritt die deutschen Bundesländer im Internationalen Komitee der Stiftung Auschwitz-Birkenau. Wichtige neuere Veröffentlichungen: (Hg.) Menschen in Bergen-Belsen (2019), (Hg.) Kinder im KZ Bergen-Belsen (2018), (Hg.) 70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung (2016), Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora (2015), (Hg.) Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem KZ Holzen (2013), (Hg.) Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg (2012), Ellrich 1944/45 (2009).

Weltweit beneiden viele Menschen die Deutschen für ihre Erinnerungskultur. Tatsächlich gibt es in kaum einem anderen Land ein derart dichtes Netz von Gedenkstätten und Dokumentationsorten zu Regime- und Gesellschaftsverbrechen. Doch die Erinnerungskultur ist in Entlastungsritualen erstarrt. An die Stelle kritischer Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen der Verbrechen ist die normative Rede von der »Erinnerung« getreten – samt Pathos, moralischen Appellen und einem lediglich auf die Opfer gerichteten Blick, der von Fragen nach den Ursachen der Mitmachbereitschaft im Nationalsozialismus und nach der Funktionsweise der radikal rassistisch organisierten NS-Gesellschaft ablenkt. Genau darin lägen aber Aktualitätsbezüge, die auch jungen Menschen die Relevanz der Gedenkstättenarbeit vermitteln.


Dienstag | 24. März 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. phil. Jan Philipp Reemtsma, Dr. Frank Hatje, Hamburg
Ferdinand Beneke: Die Tagebücher II (1802 – 1810)
Zusammen mit der Historischen Gesellschaft, der Goethe Gesellschaft und der Universität Bremen

Prof. Dr. phil. Jan Philipp Reemtsma, geb. 26.11.1952, Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der Arno Schmidt Stiftung, Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung.

PD Dr. Frank Hatje studierte in Tübingen und Hamburg Geschichte, Germanistik und Griechische Philologie. Seit seiner Habilitation lehrt und forscht er als Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg zu Themen der Frühen Neuzeit. Von 2001 bis 2018 leitete er zusammen mit Ariane Smith die Beneke-Edition. Gegenwärtig schreibt er an einer Monographie über Beneke.

Der Hamburger Jurist und gebürtige Bremer Ferdinand Beneke (1774 – 1848) hat mit seinen Tagebüchern samt den von ihm beigefügten Briefen und Manuskripten eines der fesselndsten Dokumente zur Kultur und Lebenswelt des Bürgertums zwischen Französischer Revolution und Vormärz hinterlassen. Denn Beneke erweist sich als Seismograph seiner Zeit, ob er nun über Politik oder Alltag, Literatur oder Familienleben, Reisen oder Religion schreibt und uns nachzuvollziehen erlaubt, wie sich Ansichten und Ideen, die die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts prägen sollten, aus den Zeitumständen entwickelt haben. Die zweite, jüngst erschienene Abteilung der Tagebuch-Edition ist in dieser Hinsicht besonders aussagekräftig. Sie beginnt mit Friedenshoffnungen und endet mit der Annexion der Hansestädte durch das französische Kaiserreich. Sie zeigt den Wandel Benekes vom Schüler der Aufklärung zum Frühromantiker, von der Begeisterung für die Französische Revolution zu einer Weltanschauung, die Begriffe wie Nation und Republik, Religion und Geschichte zusammendenkt.
In einer Kombination aus Vortrag und Lesung geben Jan Philipp Reemtsma und Frank Hatje Einblicke in den Tagebuchkosmos.


Dienstag | 28. April 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Christian Wild, Bremen
Korallenriffe in der Krise – Was geht uns das in Bremen an und was können wir tun?
Zusammen mit dem Übersee-Museum und der Universität Bremen
Prof. Dr. Christian Wild, geboren 1974 in München, ist Professor für Marine Ökologie an der Universität Bremen. Nach dem Grundstudium der Biologie und Geographie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, wechselte er nach Bremen und absolvierte seine Promotion am MPI für Marine Mikrobiologie in 2003. Im Anschluss arbeitete er als Berater für Korallenriffthemen für die UNESCO in Paris und als Nachwuchsgruppenleiter an der LMU München. Im Jahr 2010 folgte er einem Ruf auf eine Professur an die Universität Bremen. Seine Forschung zur Rolle von Korallenrifforganismen als sogenannte Ökosystemingenieure wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. durch den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und die Otto-Hahn-Medaille der MPG. Christian Wild ist Vorsitzender der 14. Weltkorallenriffkonferenz, die im Juli 2020 in Bremen stattfindet, und die er zum ersten Mal in der 50-jährigen Geschichte dieser Konferenz nach Europa holen konnte.

Korallenriffe sind einzigartige Lebensräume im Meer. Diese Ökosysteme beherbergen eine enorme Vielfalt an pflanzlichen und tierischen Lebewesen und werden daher auch als Regenwälder der Meere bezeichnet. Gleichzeitig liegen Korallenriffe wie »Oasen in der Wüste« in den nährstoffärmsten Meeresgebieten unseres Planeten, sind aber trotzdem extrem produktiv. Dieses sogenannte Darwinsche Riff-Paradoxon ist bis heute nicht vollständig geklärt, aber viele Wissenschaftler, auch in Bremen, arbeiten daran. Leider ist die Situation nun aber so, dass sich unsere Korallenriffe in einer globalen Krise befinden. Das liegt vor allem daran, dass Steinkorallen als die Ingenieure von Riffen besonders durch die Meereserwärmung und die Meeresansäuerung als die beiden Hauptkonsequenzen der globalen Klimaveränderung betroffen sind. Dazu kommen Faktoren wie die Überfischung und die Überdüngung, die Korallen schwächen und Algen im direkten Wettbewerb stärken. Das Resultat sind Riffe, die sich in einer in der Erdgeschichte einmaligen Geschwindigkeit verändern; von klassischen Riffen voller unterschiedlicher Steinkorallen mit unterschiedlichen Wuchsformen zu eintönigen Geröllfeldern mit dichtem Algenüberwuchs. Mehr als die Hälfte aller unserer Riffe zeigt inzwischen solche oder ähnliche Veränderungen.