Dienstag | 15. Oktober 2019| 19:00 Uhr
Dr. Frank Holl, München
Alexander von Humboldt und der Klimawandel – Mythen und Fakten
Zusammen mit der Historischen Gesellschaft und dem Übersee-Museum

Der Historiker Dr. Frank Holl konzipierte und organisierte in Lateinamerika und Europa elf große Ausstellungen zu Alexander von Humboldt. Von 2008 bis 2018 leitete er die Münchner Wissenschaftstage. Sein Buch Alexander von Humboldt – Mein vielbewegtes Leben wurde zum »Historischen Buch des Jahres« gewählt und in die Bestenliste der Kritiker der Süddeutschen Zeitung aufgenommen. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem Grüter-Preis für Wissenschaftsvermittlung ausgezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Holl_(Historiker)

Hat Alexander von Humboldt vor den dramatischen Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels gewarnt? Ausgehend von dieser Frage befasst sich der Beitrag mit seinen Klimastudien und zeigt dabei, welch enorme Wirkung diese für viele Länder der Welt hatten. Zahlreiche Aufforstungsmaßnahmen wurden im 19. Jahrhundert durch Humboldts Studien angeregt. Humboldt hat zudem – wohl als erster – die klimaverändernde Wirkung von »großen Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie« erkannt und außerdem im 3. Band des Kosmos auch den Treibhauseffekt beschrieben. Die enorme Bedrohung des stetig zunehmenden anthropogenen Klimawandels konnte er damals allerdings nicht ahnen.
Seine und auch die Erkenntnisse der anderen Klimaforscher des 19. Jhds. gerieten Anfang des 20. Jhds. in Vergessenheit. Der gerissene Rezeptionsfaden wurde erst mit der Umweltbewegung in den 1970er-Jahren wieder aufgenommen und Alexander von Humboldt als Klimaforscher und »erster Ökologe« neu bewertet.


Dienstag | 29. Oktober 2019| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Joachim Gehrke, Freiburg
Ein Heiliges Land um Olympia.
Aktuelle Forschungen am Unterlauf des Alpheios.
Zusammen mit dem Freundeskreis der Antike und der Gesellschaft für Vorgeschichte

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Joachim Gehrke ist Professor emeritus an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Director of Outreach des University College Freiburg. Zuvor war er Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin und Professor für Alte Geschichte an den Universitäten Freiburg, FU Berlin und Würzburg. Er nahm verschiedene Gastprofessuren wahr, darunter an den Universitäten Zürich und München sowie am Collège de France. Gehrke ist Mitglied mehrerer Akademien und Institute, u.a. der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Seine Forschungsschwerpunkte liegen vornehmlich auf dem Gebiet der griechischen Geschichte, besonders der archaischen und der hellenistischen Zeit.

Bereits im Jahr 1875 begannen die umfassenden Ausgrabungen in Olympia. Sie laufen seitdem und haben reichlichste Erträge erbracht. Seit 2015 wird aber nun erstmals die bisher weitgehend vernachlässigte Umgebung des Heiligtums systematisch mit modernsten geowissenschaftlichen und archäologischen Methoden erforscht, im Rahmen des Programmes »Der multidimensionale Raum Olympia«. Von daher ergeben sich ganz neue Ausblicke auf unsere traditionellen Quellen. Der Referent, an diesem Programm maßgeblich beteiligt, wird in seinem Vortrag die wichtigsten Ergebnisse dieses Projektes vorstellen, die bisher erzielt wurden. Insbesondere wird er an Beispielen zeigen, wie die alten Griechen ihr zentrales Heiligtum zum Mittelpunkt einer heiligen Landschaft machten. In ihren Ritualen und Mythen sprechen sie noch zu uns: So wird der lokale Fluss Alpheios zu einem Gott, der sich in die Jagdgöttin Artemis verliebte – mit denkwürdigen Folgen. Was das bedeutet und welche Raumwahrnehmungen und Sichtweisen überhaupt die Menschen der Antike geleitet haben, soll in diesem Vortrag deutlich werden.


Dienstag | 12. November 2019| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Albert Zink, Bozen
Ötzi, der Mann aus dem Eis – Neue Erkenntnisse aus der Mumienforschung
Zusammen mit der Gesellschaft für Vorgeschichte und dem Freundeskreis der Antike

Prof. Dr. Albert Zink leitet das Institut für Mumienforschung der Eurac Research in Bozen. Der Anthropologe ist verantwortlich für die wissenschaftliche Untersuchung von Ötzi und beschäftigt sich mit Mumienfunden auf der ganzen Welt, darunter die bekannten ägyptischen Pharaonen Ramses III und Tutanchamun. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der paläopathologischen und genetischen Untersuchung von menschlichen Mumien und Skelettfunden unter Verwendung verschiedener etablierter und moderner Methoden, wie Histologie, bildgebende Verfahren (konventionelle Radiologie, CT), Molekularbiologie und nanotechnologischen Techniken. Sein besonderes Interesse gilt dabei der molekularen Untersuchung von alter DNA von und die Rekonstruktion der Evolution von Infektionskrankheiten. Zink ist Autor von mehreren Büchern über Ötzi und andere Mumien und Verfasser von zahlreichen Fachartikeln.

Am 19. September 1991 wurde die weltbekannte Gletschermumie, Ötzi, von einem Nürnberger Ehepaar in den Alpen entdeckt. Seitdem gewährt uns der Mann aus dem Eis einen tiefen Einblick in die Lebensumstände einer bis dahin wenig erforschten Bevölkerung, die vor über 5000 Jahren im alpinen Raum heimisch war. Durch die Verwendung modernster medizinischer und naturwissenschaftlicher Untersuchungen ist es gelungen, zahllose Details zu seinem Leben, aber vor allem auch zu seinen Krankheiten und zu seinem gewaltsamen Tod am Hauslabjoch zu erforschen. Darüber hinaus bietet die moderne Mumienforschung die
Möglichkeit wichtige Erkenntnisse zum Auftreten und zur Entwicklung von Krankheiten zu erhalten. So konnten beispielsweise bei der Gletschermumie eine genetische Veranlagung für Herz- und Kreislauferkrankungen festgestellt und der Krankheitserreger Helicobacter pylori im Magen des Ötzi nachgewiesen werden. Im Rahmen des Vortrags werden die neuesten wissenschaftlichen Befunde über den Mann aus dem Eis zusammengefasst und die Möglichkeiten der Mumienforschung anschaulich dargestellt


Dienstag | 10. Dezember 2019| 19:00 Uhr
Dr. Leonhard Horowski, Berlin
Das Europa der Könige.
Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts
Zusammen mit der Historischen Gesellschaft

Dr. Leonhard Horowski, 1972 geboren, studierte Geschichte, Anglistik und Politologie an der Freien Universität Berlin und der University of Durham. Nachdem er mit einer Doktorarbeit zum Hof von Versailles promoviert wurde, schließt er zur Zeit eine Habilitation über brandenburg-preußische Staatsminister ab. Neben der universitären Lehrtätigkeit arbeitete er in der Diplomatenfortbildung sowie als historischer Berater für Dokumentarserien, u.a. »Mätressen. Die Geheime Macht der Frauen« (2005) und »Die Deutschen« (2010).

Vorhang auf für mehrere Akte höchst unterhaltsamer europäischer Geschichte: Leonhard Horowski führt uns kenntnisreich mit viel Esprit durch untergegangene Welten, deren Bewohner er auf die Schlachtfelder des Krieges wie auf die der Heiratspolitik begleitet; er folgt Edelleuten und Prinzessinnen durch labyrinthische Palastkorridore und sieht zu, wie mit Duellen und Zeremonien Politik gemacht wurde. Er zeichnet ein detailreiches Porträt des Adels jener Epoche, als er noch keine natürlichen Feinde kannte – im Europa der Könige, das an sich und seinem dynastischen Denken gescheitert ist.


Dienstag | 14. Januar 2020| 19:00 Uhr
Dr. Bärbel Auffermann, Mettmann
Die Neanderthaler – eine Spurensuche
Zusammen mit dem Freundeskreis der Antike und der Gesellschaft für Vorgeschichte

Dr. Bärbel Auffermann
Studium der Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Ethnologie an den Universitäten Münster und Tübingen. Promotion 1996. 1995 bis 1996 Mitarbeit an der Konzeption und Realisation des neuen Neanderthal Museums, ab 1997 stellvertretende Direktorin des Neanderthal Museums mit den Aufgaben Ausstellungsmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Januar 2019 Direktorin des Neanderthal Museums.

Im Jahre 1856 fanden Steinbrucharbeiter im Neandertal bei Düsseldorf Knochen eines Skelettes, das später weltberühmt werden und einer ganzen Menschenart den Namen geben sollte. Alle aufgefundenen Knochen wurden auf Veranlassung der Steinbruchbetreiber, die sie für Reste von Höhlenbären hielten, aufbewahrt und Johann Carl Fuhlrott übergeben.Dieser erkannte, als er zur Begutachtung der Knochen ins Neandertal gerufen wurde, sogleich deren Bedeutung: dass es sich um die Überreste eines eiszeitlichen Menschen handele. Eine sensationelle Erkenntnis in einer Zeit, als die Menschen die Schöpfungsgeschichte der Bibel noch wörtlich nahmen.Neanderthaler gelten heute als die am besten erforschten Urmenschen. Und das nicht nur in punkto der Überreste der materiellen Kultur, sondern auch in Bezug auf ihre Skelettreste. Von ca. 450 Individuen wurden Knochen, manchmal nur einzelne Zähne, gefunden. Setzt man diese Zahl in Relation zu der Dauer der Existenz von Neanderthalern (eine Zeitspanne von vor 250.000 bis vor 40.000 Jahren) und berücksichtigt ihr Verbreitungsgebiet, das von Westeuropa bis nach Westasien, nach Usbekistan und den Nordirak reicht, dann relativiert sich eine Anzahl von einigen hundert fragmentarischen Individuen erheblich. Der Vortrag fasst den aktuellen Wissenstand zu den Neanderthalern zusammen und versucht auch Antworten auf die brennendsten Fragen zu geben: Wie ähnlich und wie verschieden waren die Neanderthaler im Vergleich mit uns heutigen Menschen? Wie sind sie mit uns verwandt? Was ist mit ihnen geschehen, wo sind die Neanderthaler geblieben? Wie hat man sich den Kontakt zwischen Neanderthalern und modernen Menschen vorzustellen?


Dienstag | 28. Januar 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Markus Rex, Potsdam
Die größte Arktisexpedition unserer Zeit Forschung im Epizentrum des Klimawandels
Zusammen mit dem AWI und dem VDI

Prof. Dr. Markus Rex leitet die Sektion Atmosphärenforschung am Alfred-Wegener-Institut und ist Professor an der Universität Potsdam. Sein wissenschaftlicher Hintergrund liegt in der Physik, Meteorologie und Geophysik, mit Abschlüssen von den Universitäten Braunschweig und Göttingen. Seinen Doktortitel erhielt er von der FU Berlin und habitiert hat er sich an der Universität Bremen. Er arbeitete am Jet Propulsion Laboratory der NASA, am CalTech in Kalifornien und war Erskine Fellow der Universität Canterbury, Neuseeland. Zudem übernahm er Lehraufträge an der FU Berlin und an der Universität Bremen. Er publizierte über 80 Arbeiten auf dem Gebiet der Polar- und Klimaforschung und hat an mehreren Forschungsexpeditionen in beide Polarregionen, in den tropischen Atlantik und Pazifik sowie nach Borneo, Borneo, Palau und Nepal teilgenommen. Zurzeit leitet er die MOSAiC-Expedition, die größte Forschungsexpedition in die Antarktis unserer Zeit.

Es wird die größte Artkisexpedition aller Zeiten. 2019 – 2020 wird der Forschungseisbrecher Polarstern ein ganzes Jahr fest eingefroren in das arktische Meereis nur mit der Kraft der natürlichen Eisdrift durch die zentrale Arktis driften. Unterstützt von vier weiteren Eisbrechern, Flugzeugen und Hubschraubern wird dabei erstmals mit einem modernen Forschungseisbrecher die direkte Umgebung des Nordpols auch im Winter und Frühjahr erreicht. Die Wissenschaftler folgen den Spuren Fridtjof Nansens historischer Expedition von 1893 – 1896 und erhoffen sich bahnbrechende Beobachtungen von den Klimaprozessen in der zentralen Arktis, um den dramatischen Klimawandel dort besser zu verstehen und vorhersagen zu können. Der Vortrag zeigt die schon jetzt sichtbaren Folgen des Klimawandels in der Arktis und stellt die Pläne für die einzigartige Expedition vor.


Dienstag | 11. Februar 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Stefan Jordan, Heidelberg
Gaias zweiter Sternkatalog – ein riesiger Sprung für die Astrophysik
Zusammen mit der Olbers-Gesellschaft und der Universität Bremen

Prof. Dr. Stefan Jordan studierte, promovierte und habilitierte an der Universität Kiel nach Forschungsaufenthalten u.a. in den USA. Seit 2014 ist er außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg. Seine Forschungsgebiete sind u.a. die Astrometrie, Sternatmosphären und die Spätphasen der Sternentwicklung. Seit 2004 arbeitet er am Gaia-Projekt, u.a. an der täglichen Qualitätskontrolle der Gaia-Daten, deren Visualisierung, deren Publikation mit Hilfe von Datenbanken und für die Öffentlichkeitsarbeit.

Seit 2014 vermisst der Gaia-Satellit der ESA eine riesige Zahl von Sternen unserer Milchstraße, um ein besseres Verständnis der Struktur und Entwicklung unserer Heimatgalaxie zu bekommen. Die Milchstraße ist das System aus rund 200 Milliarden Sternen, dem unsere Sonne und ihre Planeten angehören. Neben den Sternen bilden große Gas- und Staubmassen und die mysteriöse Dunkle Materie ihre wesentlichen Bestandteile. Um den Aufbau und die Entwicklung des Milchstraßensystems besser zu verstehen, ist die genaue Bestimmung der Entfernungen und Bewegungen sehr vieler Sterne nötig. Die auf die Sterne wirkenden Gravitationskräfte, die sich aus der Verteilung der Massen in der Milchstraße ergeben, drücken sich vor allem in der Verteilung ihrer Geschwindigkeiten aus.
Am 25. April 2018, ist der zweite Gaia-Katalog (Gaia DR2) erschienen: Von mehr als 1,3 Milliarden Sternen wurden die Positionen, Bewegungen, Parallaxen (Entfernungen), Helligkeiten und Farben der Sterne mit hoher Präzision bestimmt. Diese Daten sind eine Quelle für neue Erkenntnisse in praktisch allen Gebieten der Astrophysik und fast täglich erscheinen ca. drei bis vier neue wissenschaftliche Veröffentlichungen, die auf den Gaia-Daten basieren. In dem Vortrag werden einige Highlights dieser ersten Erkenntnisse aufgrund des Gaia DR2 vorgestellt.


Dienstag | 18. Februar 2020| 19:00 Uhr
Dr. Martin Maischberger, Berlin
Masterplan Museumsinsel – Zwischenbilanz und Ausblick
Zusammen mit dem Freundeskreis der Antike und der Gesellschaft für Vorgeschichte, der Kunsthalle Bremen und dem VDI

Dr. Martin Maischberger wurde 1964 in München geboren. Studium der Klassischen Archäologie, Alten Geschichte und Italienischen Philologie in Berlin, Perugia und Rom. 1995 Promotion an der Freien Universität Berlin, im Anschluss Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin, bei der Antikensammlung SMB, bei der ARGE Pfanner und bei der FU Berlin (Koordinator des »Interdisziplinären Zentrums Alte Welt«). Seit 2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 2007 Stellvertretender Direktor der Antikensammlung SMB. Forschungsschwerpunkte: Römische Topographie und Architektur, Wissenschafts- und Museumsgeschichte.

Im Jahre 1999 wurde die Museumsinsel Berlin in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Im gleichen Jahr veröffentlichte der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Masterplan, auf dessen Grundlage die Sammlungen dieses weltweit einzigartigen Ensembles umfassend neu organisiert, die historischen Gebäude baulich instand gesetzt und um Neubauten erweitert werden sollten.
Gut zwanzig Jahre später ist es Zeit für ein Resümee über das bisher Erreichte und einen Ausblick in die Zukunft. Zahlreiche wichtige Etappenziele wurden bereits erreicht: Die Sanierung der Alten Nationalgalerie und des Bode-Museums, der Wiederaufbau und Eröffnung des Neuen Museums, die Errichtung von Neubauten wie dem Archäologischen Zentrum, dem Haus Bastian und der James-Simon-Galerie. Das Pergamonmuseum befindet sich noch mitten in seinem langjährigen Prozess der Sanierung und der baulichen Erweiterung; ein interimistisches Ausstellungsgebäude – »Pergamonmuseum. Das Panorama« – bietet derweil attraktiven Ersatz. Mit dem Humboldt Forum im rekonstruierten Stadtschloss tritt schließlich ein neues Ausstellungshaus für die außereuropäischen Sammlungen bereits jenseits der eigentlichen Museumsinsel auf den Plan.


Dienstag | 10. März 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Almut Höfert, Oldenburg
Gott und seine Weltreiche: Kaisertum und Kalifat als Erben der Spätantike
Zusammen mit dem Fk der Antike, der Histor. Gesellschaft und der Brem. Kirchengeschichte

Prof. Dr. Almut Höfert ist seit 2017 Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Oldenburg. Sie studierte Geschichte und Islamwissenschaften in Bonn, Freiburg und Kairo und wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert. Während ihrer Assistenz in Basel war sie 2005/6 Gastwissenschaftlerin an der American University in Kairo und 2006/7 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Von 2011 bis 2017 hatte sie eine Förderungsprofessur des Schweizer Nationalfonds für transkulturelle Geschichte des arabischen und lateinischen Mittelalters am Historischen Seminar inne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte von Religion und Herrschaft, Verflechtungen und gegenseitige Wahrnehmungen zwischen Europa und dem Nahen Osten, Geschlechtergeschichte sowie Methoden der transkulturellen Geschichte und der Globalgeschichte.

In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung neue Perspektiven auf die Spätantike (3.–6./7. Jhd. n. Chr.) entworfen. Die Spätantike wird nun nicht mehr als Zeit des Niedergangs des römischen Reiches betrachtet, sondern erscheint als eine Epoche kreativen Wandels – vor allem im Hinblick auf die Religion. Die Entwicklung vom antiken Polytheismus zum Monotheismus war dabei eng mit dem römischen Weltreich verknüpft, dessen christliche Kaiser seit Konstantin dem Großen Gottes Herrschaft auf Erden ausübten. Sowohl im Islam als auch im Frankenreich wurden diese Formen imperialer Legitimation aufgegriffen und weiterentwickelt. Almut Höfert wird zeigen, dass sowohl Karl der Große als auch die islamischen Kalifen das Erbe der Spätantike antraten.


Dienstag | 17. März 2020| 19:00 Uhr
Dr. phil. Jens-Christian Wagner, Celle
Geschichte statt Erinnerung. Plädoyer für eine historisch fundierte und politisch wache Gedenkstättenarbeit
Zusammen mit der Universität Bremen

Dr. phil. Jens-Christian Wagner ist Historiker und seit 2014 Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Zuvor leitete er von 2001 bis 2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Wagner hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Nationalsozialismus und zur Erinnerungskultur nach 1945 verfasst und Ausstellungen zu diesen Themen kuratiert. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten zum Thema NS-Zwangsarbeit und berät international Gedenkstätten und Museen. Wagner vertritt die deutschen Bundesländer im Internationalen Komitee der Stiftung Auschwitz-Birkenau. Wichtige neuere Veröffentlichungen: (Hg.) Menschen in Bergen-Belsen (2019), (Hg.) Kinder im KZ Bergen-Belsen (2018), (Hg.) 70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung (2016), Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora (2015), (Hg.) Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem KZ Holzen (2013), (Hg.) Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg (2012), Ellrich 1944/45 (2009).

Weltweit beneiden viele Menschen die Deutschen für ihre Erinnerungskultur. Tatsächlich gibt es in kaum einem anderen Land ein derart dichtes Netz von Gedenkstätten und Dokumentationsorten zu Regime- und Gesellschaftsverbrechen. Doch die Erinnerungskultur ist in Entlastungsritualen erstarrt. An die Stelle kritischer Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen der Verbrechen ist die normative Rede von der »Erinnerung« getreten – samt Pathos, moralischen Appellen und einem lediglich auf die Opfer gerichteten Blick, der von Fragen nach den Ursachen der Mitmachbereitschaft im Nationalsozialismus und nach der Funktionsweise der radikal rassistisch organisierten NS-Gesellschaft ablenkt. Genau darin lägen aber Aktualitätsbezüge, die auch jungen Menschen die Relevanz der Gedenkstättenarbeit vermitteln.


Dienstag | 24. März 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. phil. Jan Philipp Reemtsma, Dr. Frank Hatje, Hamburg
Ferdinand Beneke: Die Tagebücher II (1802 – 1810)
Zusammen mit der Historischen Gesellschaft, der Goethe Gesellschaft und der Universität Bremen

Prof. Dr. phil. Jan Philipp Reemtsma, geb. 26.11.1952, Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der Arno Schmidt Stiftung, Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung.

PD Dr. Frank Hatje studierte in Tübingen und Hamburg Geschichte, Germanistik und Griechische Philologie. Seit seiner Habilitation lehrt und forscht er als Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg zu Themen der Frühen Neuzeit. Von 2001 bis 2018 leitete er zusammen mit Ariane Smith die Beneke-Edition. Gegenwärtig schreibt er an einer Monographie über Beneke.

Der Hamburger Jurist und gebürtige Bremer Ferdinand Beneke (1774 – 1848) hat mit seinen Tagebüchern samt den von ihm beigefügten Briefen und Manuskripten eines der fesselndsten Dokumente zur Kultur und Lebenswelt des Bürgertums zwischen Französischer Revolution und Vormärz hinterlassen. Denn Beneke erweist sich als Seismograph seiner Zeit, ob er nun über Politik oder Alltag, Literatur oder Familienleben, Reisen oder Religion schreibt und uns nachzuvollziehen erlaubt, wie sich Ansichten und Ideen, die die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts prägen sollten, aus den Zeitumständen entwickelt haben. Die zweite, jüngst erschienene Abteilung der Tagebuch-Edition ist in dieser Hinsicht besonders aussagekräftig. Sie beginnt mit Friedenshoffnungen und endet mit der Annexion der Hansestädte durch das französische Kaiserreich. Sie zeigt den Wandel Benekes vom Schüler der Aufklärung zum Frühromantiker, von der Begeisterung für die Französische Revolution zu einer Weltanschauung, die Begriffe wie Nation und Republik, Religion und Geschichte zusammendenkt.
In einer Kombination aus Vortrag und Lesung geben Jan Philipp Reemtsma und Frank Hatje Einblicke in den Tagebuchkosmos.


Dienstag | 28. April 2020| 19:00 Uhr
Prof. Dr. Christian Wild, Bremen
Korallenriffe in der Krise – Was geht uns das in Bremen an und was können wir tun?
Zusammen mit dem Übersee-Museum und der Universität Bremen
Prof. Dr. Christian Wild, geboren 1974 in München, ist Professor für Marine Ökologie an der Universität Bremen. Nach dem Grundstudium der Biologie und Geographie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, wechselte er nach Bremen und absolvierte seine Promotion am MPI für Marine Mikrobiologie in 2003. Im Anschluss arbeitete er als Berater für Korallenriffthemen für die UNESCO in Paris und als Nachwuchsgruppenleiter an der LMU München. Im Jahr 2010 folgte er einem Ruf auf eine Professur an die Universität Bremen. Seine Forschung zur Rolle von Korallenrifforganismen als sogenannte Ökosystemingenieure wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. durch den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und die Otto-Hahn-Medaille der MPG. Christian Wild ist Vorsitzender der 14. Weltkorallenriffkonferenz, die im Juli 2020 in Bremen stattfindet, und die er zum ersten Mal in der 50-jährigen Geschichte dieser Konferenz nach Europa holen konnte.

Korallenriffe sind einzigartige Lebensräume im Meer. Diese Ökosysteme beherbergen eine enorme Vielfalt an pflanzlichen und tierischen Lebewesen und werden daher auch als Regenwälder der Meere bezeichnet. Gleichzeitig liegen Korallenriffe wie »Oasen in der Wüste« in den nährstoffärmsten Meeresgebieten unseres Planeten, sind aber trotzdem extrem produktiv. Dieses sogenannte Darwinsche Riff-Paradoxon ist bis heute nicht vollständig geklärt, aber viele Wissenschaftler, auch in Bremen, arbeiten daran. Leider ist die Situation nun aber so, dass sich unsere Korallenriffe in einer globalen Krise befinden. Das liegt vor allem daran, dass Steinkorallen als die Ingenieure von Riffen besonders durch die Meereserwärmung und die Meeresansäuerung als die beiden Hauptkonsequenzen der globalen Klimaveränderung betroffen sind. Dazu kommen Faktoren wie die Überfischung und die Überdüngung, die Korallen schwächen und Algen im direkten Wettbewerb stärken. Das Resultat sind Riffe, die sich in einer in der Erdgeschichte einmaligen Geschwindigkeit verändern; von klassischen Riffen voller unterschiedlicher Steinkorallen mit unterschiedlichen Wuchsformen zu eintönigen Geröllfeldern mit dichtem Algenüberwuchs. Mehr als die Hälfte aller unserer Riffe zeigt inzwischen solche oder ähnliche Veränderungen.