Dienstag | 23.03.2021 | 19:00 Uhr
Prof. Dr. Christoph Schäfer, Trier

Schifffahrt in der Alten Welt – der Beitrag der experimentellen Archäologie

Wir bitten um vorherige Anmeldung.

Zusammen mit dem Freundeskreis der Antike, der Bremer Ges. für Vorgeschichte und dem VDI

In Oberstimm und Mainz wurden in den letzten Jahrzehnten die besten archäologischen Befunde römischer Militärschiffe entdeckt. Sie bilden eine hervorragende Grundlage für Rekonstruktionen, anhand derer wir viele Details über die antike Schiffsbautechnik und das Leistungsvermögen dieser Fahrzeuge wiedergewinnen können. Dabei lässt sich auch die Veränderung in der Schiffsbautechnik mit Messwerten untermauern. Im Zuge der Erforschung dieser Nachbauten wurde ein neuartiges Messinstrumentarium entwickelt, das die präzise Bewertung der Schiffe erlaubt. Daraus ergeben sich weitreichende Folgerungen im Hinblick auf die antike Militärdoktrin, Steuerungsmechanismen der Reichszentrale, Kommunikationswege und Logistik. Nicht zuletzt lässt sich auch die Einstellung der Römer zu technologischem Fortschritt beleuchten.
Im aktuellen Forschungsprojekt »Laurons 2« wird erstmals ein seegängiges römisches Handelsschiff auf Basis eines hervorragenden archäologischen Befundes nachgebaut und mit modernsten Messmethoden untersucht. Hauptziel des Projektes ist es, durch die Analyse der Leistungsdaten des Schiffes, insbesondere der Segeleigenschaften, Informationen über den antiken Seehandel zu erhalten, der als Kernelement des Warentransportes das römische Wirtschaftswesen präziser fassen lässt. Dahinter steht die Frage, inwieweit die römische Wirtschaft bereits Züge von Globalisierung aufweist und welche Langzeiteffekte dadurch in der Perspektive langer Dauer zu beobachten sind – eine Fragestellung, die uns gerade heute zu denken geben kann.

Abbildung zeigt Christoph Schäfer
© Stephan Garçon, www.foto-garcon.de

Prof. Dr. Christoph Schäfer war von 2003 – 2008 Professor für Alte Geschichte an der Universität Hamburg und ist seitdem an der Universität Trier tätig. Seine Forschungsschwerpunkte erstrecken sich zeitlich vom 4. Jh. v. Chr. bis zum 6. Jh. n. Chr. Neben politischer Geschichte hat er sich intensiv mit Wirtschafts- und Sozialgeschichte und mit experimenteller Archäologie beschäftigt. Er gilt als Experte im Bereich der antiken Schifffahrt und war maßgeblich an der Rekonstruktion und der Erprobung von inzwischen drei römischen Militärschiffen und einem seegängigen römischen Handelsschiff beteiligt.